Galerie Forum Amalienpark
schwarz – weiss – heiten
Volker Küster, Achim Niemann, Henry Stöcker
 
»Die Kunst ist nichts als die Kunst,
wir haben die Kunst,
damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen.«
Friedrich Nietzsche


Die schwarz-weißen Zeichnungen, Bilder, Skulpturen und Objekte der drei Künstler Volker Küster aus Weeze, Achim Niemann und Henry Stöcker aus Berlin können in ihrer Reduktion auch als Gegenentwurf zu der uns umgebenden Bilder- und Farbenflut gesehen werden – um den Blick frei zu machen und Raum für Fantasie und Entdeckungsfreude zu schaffen.

So sind von Volker Küster Papierarbeiten ausgestellt, die im Spiel mit strengen geometrischen Formen und klaren Farbflächen entstehen, in denen er die vielfältigen Variationen der Schwarz-Weiß-Palette auslotet. Küsters Werkgruppen gehören zur konkreten/konstruktiven Kunst, Modelle für zwei- und dreidimensionale Formen werden systematisch entwickelt. Das Spiel mit Maßen und Proportionen wird durch Strategien des Zählens, Messens, Teilens bestimmt. Es entstehen komplexe, klar strukturierte, von Zufällen unabhängige Formgebilde, die in sich schlüssig und harmonisch erscheinen.

Im Unterschied dazu begegnen wir in Achim Niemann einem Maler und Bildhauer, der im vielfältig gebrochenen Farbenspiel zwischen Schwarz und Weiß, Licht und Schatten nach vergangenen Spuren und Schichten sucht, eher intuitiv und zufällig erscheinend, im Unvollkommenen das Vollkommene findet und sichtbar macht. In seinen Arbeiten, besonders sichtbar seinen formstrengen Plastiken, ist die kompromisslose Form von Zuspitzung und Verknappung deutungsoffen. »Strukturen des Gesehenen in eine Struktur des Sehens überführen« hat Matthias Flügge das genannt.

Der Bildhauer Henry Stöcker wiederum verbindet in seinen aus Gips und Metallrelikten gefertigten Skulpturen Organisches und Technisches und/oder setzt es in konflikthaften Kontrast. Seine teils archaisch, teils surreal anmutenden Skulpturen, das gebrochene Weiß des Gipses und das vielfarbige Schwarz des Metalls strahlen eine fragile Balance im Kraftvollen aus, die Stöcker selbst als »eine gewisse Akrobatik« bezeichnet, »die aber dennoch einen Klang ergibt«. Seine Zeichnungen – Vorarbeiten zu den Skulpturen – ermöglichen einen zusätzlichen Zugang zu seinem Sehen.

Wer sich auf diese verschiedenen Sehweisen einlässt, wird überrascht sein, welche neuen Einblicke in die künstlerische Wahrnehmung sich erschließen.
Dr. Helga Adler, Kuratorin
 
Zeichnung, Malerei, Plastik
Ausstellung vom 18. Mai bis 22. Juni 2019
Einladung
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Vernissage
Freitag, 17. Mai 2019, 19.30 Uhr
Laudatio: Christoph Tannert,
Künstlerischer Leiter
des Künstlerhauses Bethanien
Musik: Klaus Janek, Kontrabass

Lesung
Donnerstag, 23. Mai 2019, 19.30 Uhr
»Maiwald«
Gedichtlesung Richard Pietraß
Freigänger des Kosmos, beurlaubt für seine irdische Rolle, erfährt sich Richard Pietraß als Schauender und Grenzgänger seiner Endlichkeit im Unendlichen. Kindsköpfig nähert er sich der Schönheit der Welt, trauert um die verlornen Gefährten seines Gastspiels in wechselnden Systemen unter den Augen von Stiefvater Staat und Leibmutter Natur.

Finissage
Freitag, 21. Juni, 19.30 Uhr
Ausstellungsgespräch
der Kuratorin Dr. Helga Adler
mit Achim Niemann und Henry Stöcker
 
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