Galerie Forum Amalienpark
Luna-Park
Julio Paz (1939-2010), Radierungen – Burkhard Peter, Fotografie
 
Die Radierungen des 1939 in Buenos Aires geborenen Künstlers Julio Paz zeugen von großer Experimentierfreude, von ungewöhnlichem Erfindungsreichtum und von Souveränität im Einsatz der technischen Mittel. Sie zeigen Helden des Sports und der Unterhaltung, Liebespaare, Prostituierte, Bürokraten und Künstler und sind mitunter von beißendem Sarkasmus. Die Bildtitel sind irreführend harmlos: »La práctica diaria« (»Die tägliche Verrichtung«), »La piscina« (»Das Schwimmbad«), »Las tres gracias« (»Die drei Grazien«), »Amor por las nubes» (»Liebe in den Wolken«). Seine Motive wurzeln in der sozialen und politischen Wirklichkeit seines Heimatlandes Argentinien, auch dazu noch, nachdem er buchstäblich im letzten Augenblick 1976, zusammen mit seiner Frau Clara, vor der Militärjunta nach Mailand fliehen konnte. Von dort aus hat er etliche Reisen nach Berlin unternommen. Besonders die Eindrücke vom Ostteil der Stadt inspirierten ihn zu neuen Werken.

Seine Gemälde und Grafiken hingen in internationalen Museen und Galerien u.a. in Berlin, London, Madrid, New York, Prag und Tokio. Viele Arbeiten befinden sich in öffentlichem Besitz. Für seine ungewöhnlichen Radierungen erhielt er zahlreiche Preise und Ehrungen. Das 1992 von Mara Moya eröffnete »Café Paz« in Berlin-Mitte trug ihm zu Ehren diesen Namen. Julio Paz starb Anfang 2010 in Mailand. Die Galerie Forum Amalienpark widmet ihm eine Ausstellung zusammen mit dem Fotografen Burkhard Peter.

Wie bei Julio Paz steht auch bei dem Burkhard Peter der Mensch im Mittelpunkt des künstlerischen Interesses. Für die Bildserien »Grenzland« und »Woodstock«, die in der Ausstellung zu sehen sind, fand seine Motive auf der deutschen und polnischen Seite der Oder, bei Volksfesten, Musikfestivals, auf Dorfstraße und Vororten. Auch diese Menschen gehören überwiegend nicht zur »Mitte der Gesellschaft«, sondern eher zu den Zukurzgekommenen, Randständigen oder auch den Unangepassten. Ihre Blicke auf den Betrachter sind ernst, zögernd, fragend bis desillusioniert; sie haben eine Anmutung von Melancholie, Einsamkeit und Resignation. Burkhard Peter zeigt Menschen auf eine sachliche, weder denunzierende noch romantisierende Art, voller Sympathie und Anteilnahme.
 
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