Galerie Forum Amalienpark
Norbert Tadeusz
Malerei
 
Ausstellung 8. August bis 6. September 2008

Eröffnung am 8. August
Laudatio: Gabriele Muschter
NORBERT TADEUSZ – MALEREI

Im Werk jedes Künstlers finden sich andere Faszinationen. Der Zugang wird meist schon während der ersten Begegnung deutlich. Aber es gibt auch den tieferen Blick, das nachhaltige Erlebnis. Beides stellt sich prozessartig her.

So ging es mir mit den Arbeiten von Norbert Tadeusz. Tadeusz, 1940 in Dortmund geboren, studierte in Düsseldorf. Er lebt und arbeitet heute in Düsseldorf und Castelnuovo d’Elsa, Italien. Er gehört zu den international anerkannten Künstlern. In Berlin hat Tadeusz in den vergangenen 30 Jahren viermal ausgestellt oder sich auch an Ausstellungen beteiligt.
Wollte man ihn vergleichen, so käme die Nähe zu Francis Bacon aus meiner Sicht als erstes in Betracht . Das betrifft den räumlichen Umgang, die Art Figuren ins Bild zu setzen ebenso wie räumliche Strukturen und den Einsatz von Farben.
Welchen Bezug hat das alles zu den Medien – denn dadurch gibt es ja bei uns neue Sehgewohnheiten. Ich sehe da nichts, was mich stören würde. Tadeusz ist seinen eigenen Weg gegangen.

Seine Liebe zu Berlin ist nur eine ganz ferne. Er taucht kometenartig auf, um gleich wieder zu verschwinden. 1988 – 91 war er Professor an der UdK, muß also die rasanten Veränderungen der deutsch-deutschen Prozesse hautnah miterlebt haben. Ein Freund des „Ostens“ (auf Deutschland bezogen), ist er dennoch bisher nicht geworden – das werden wir, beginnend mit dem heutigen Abend – ändern.
Unter anderem ist er ein Beuys-Schüler, was man den Werken im guten Sinne nicht ansieht, weil sie einer eigenen Philosophie über das Leben der Menschen nachgehen.
Was ist das für eine Philosophie? Ist sie lebensbejahend – ja, das kann man sehen. Die Figuren wirbeln umeinander. Die Farben sind kräftig und beherrschen den Raum. Die Sitzmöglichkeiten sind bequem, die Figuren eher verklemmt, eingeklemmt. Die Seile dagegen sind straff und unbarmherzig gespannt – sportlich, würde man es positiv ausdrücken.
In seiner Kunst spielen gravierende politische und gesellschaftliche Veränderungen keine Rolle. Hier herrschen die klassischen Themen vor, also Landschaften, Atelierszenen, Akte, immer wieder Menschen in akrobatisch-gefesselten und fesselnden Situationen als Metapher. Auf den Kopf gestellt, einander zugewandt oder fern den anderen, auf sich bezogen.

Auf die Frage, nach dem Anliegen seiner Kunst, sagt Tadeusz: Ich will mit meiner Kunst weder ein Klischee, noch einen bestimmten Geschmack bedienen. Auch wenn ich von meiner Malerei irgendwie leben muss, will ich mich doch nicht zu stark dem Geschmack und den Erwartungen eines bestimmten Publikums unterordnen.
Die Kraft der Bilder dieses Künstlers erwächst aus dem Zusammenhang von starker Farbigkeit und Bewegung im Raum. Manche der Atelierszenen wirken lasziv, verführerisch, spielen auf die Neugier des Betrachters an. Dabei gibt es kein Gut-Böse-Schema, also schwarz für Verbrechen und Betrug, weiß für Unschuld und Naivität. Die Übergänge sind fließend – wie im wirklichen Leben auch. Die Bilder haben einen Sog, der den interessierten Betrachter mitten ins Geschehen zieht.

Es geht dem Künstler weder um moralische noch um emotionale Fragen. Er geht dem Begriff der menschlichen Natur nach. Und er übersetzt Wortsprache in Bildsprache. Wenn Jacques Derrida schreibt: „Aus der Sprache ist kein Entkommen möglich.“, so trifft das auf die Bildsprache von Tadeusz in dem Sinne zu, dass sinnliche Erkenntnisse gewonnen werden können, um so über die Welt neu und anders nachzudenken. Ideen gehen ja nicht auf Linguistik zurück, sondern auf Konstrukte, die aus tiefstem Inneren kommen.
In seinem Buch „Das unbeschriebene Blatt“ schreibt der Amerikaner Steven Pinker:
Der Mensch ist ein fantasiebegabtes Tier, das vor seinem geistigen Auge ständig Ereignisse in wechselnden Zusammenstellungen vorbeiziehen lässt. Diese Fähigkeit ist ein Motor der menschlichen Intelligenz und erlaubt uns, neue Technologien zu ersinnen (zum Beispiel, Tiere in Fallen zu fangen…) und neue soziale Fertigkeiten zu entwickeln (Versprechen auszutauschen oder gemeinsame Feinde zu erkennen). „
Was kann das heißen – bezogen auf die Kunstwerke von Tadeusz?
Bei ihm wirbeln die Figuren nur so durcheinander – lustvoll, schmerzhaft. Das Geschehen ist exzessiv.

Wichtig für diese Art von Bildern: Sie sind alle von oben gesehen, aus großer Höhe – also nicht mittendrin, sondern durch eine bewusst gewählte Distanz.
Tänzer, nein, Akrobaten sind Metaphern für Glück und Unglück menschlichen Daseins.
Landschaften, wenn es denn welche gibt, sind stets menschenleer und menschliche Figuren bewegen sich oder ruhen auf Möbeln in geschlossenen Räumen. Ein Prinzip, das Modernis-mus und Postmodernismus in anderem Licht erscheinen lässt. Die Gründe für den Niedergang der Kunst werden offenkundig. Die Wahrnehmung wird eine andere. Tadeusz ist nicht auf der Suche nach dem immer Neuen – er setzt auf Kontinuität und Tradition in dem Sinne, dass er auf die Ursprünge verweist.
Von visueller Belohnung kann nicht nur der Künstler sprechen – der Betrachter schon lange.
 

 
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