Galerie Forum Amalienpark
Drei Positionen
Malerei
 
Drei Maler – drei Positionen. Einen Einblick in das neuere Schaffen der Maler Günter Blendinger, Carsten Gille und Rolf Lindemann gibt die Galerie Forum Amalienpark in Berlin-Pankow. Der größte Teil der rund vierzig ausgestellten Bilder wird zum ersten Mal öffentlich gezeigt. Die großzügige Präsentation gibt dem ganz Eigenen jedes Künstlers Raum und offenbart zugleich ein spannungsreiches, vielschichtiges Miteinander.

Gemeinsam ist den Künstlern, dass sie von realen Formen der Wirklichkeit ausgehen, im Prozess des Malens das sinnliche Erleben verdichten und neue Erlebnisräume auf der Bildfläche schaffen. Bei der schöpferischen Suche nach visueller Umsetzung ihrer Phantasien verlassen sie sich auf ihre eigene Erlebnisfähigkeit, unbeeindruckt von Events und Lifestyle. Es gibt keine vordergründigen Effekte. Die Arbeiten sind geprägt von der Individualität der Künstler. Sie erschließen sich kaum auf den ersten Blick. Wer ihre Geheimnisse ergründen will, muss sich auf sie einlassen.

Günter Blendinger und Rolf Lindemann gehören zum Umfeld der »Berliner Schule«. Günter Blendinger, Schüler u. a. von Arno Mohr, hat sich zuerst als Grafiker, vor allem mit Radierungen, einen Namen gemacht. Als Bildhauer hat er Figürliches aus Steinen herausgearbeitet. Erst als er sich seiner Sache mit den Farben sicher war, hat er die Malerei für sich entdeckt. Galten bisher die Ockertöne in allen Nuancen und Schattierungen als seine Grundfarben, überrascht er am Amalienpark mit großformatigen Gemälden in leuchtender Farbigkeit. Er malt in Öl, Tempera, Acryl und setzt Akzente mit einem Pastellstift. Auch wenn die Bilder mit ihren vertikalen, horizontalen und diagonalen Linien konkrete Räume erkennen lassen, so geht es vor allem immer wieder um das Erproben des Materials, um das Spiel mit den Farben, um emotionale Zustände oder Erinnerungen. Bei »Im Garbaty« etwa ist die Raumabbildung nur vorgeschobener Anlass, um mit intensiven Rottönen und aufflackerndem Gelb einen seelischen Zustand ins Bild zu setzen.

Rolf Lindemann ist ein herausragender Zeichner, Grafiker und Maler, der die Berliner Kunstszene seit Jahrzehnten mit geprägt hat. Er malt Stilleben, Landschaften, Figuren. Dabei bewegt er sich mit seinen subtilen ästhetischen Experimenten immer wieder auf dem Grenzpfad von Figürlichem und Abstraktion, so dass sich die Grenzen verwischen oder kaum erkennbar sind. Aus ungewöhnlichen Perspektiven entwickelt er rätselhafte Bilderfindungen. Wie Farbfelder und zeichnerische Struktur zusammenspielen, teilt sich dem Betrachter als sinnliches Vergnügen mit. In den figürlichen Arbeiten vermischen sich Zeichnung und Malerei mit skurrilen Elementen bis hin zur Gesellschaftskritik wie in dem Bild »Familie« aus dem Jahr 2007.

Carsten Gille, der schon in jungen Jahren Berlin verlassen und einen individuellen Weg bei der Suche nach künstlerischen Vorbildern eingeschlagen hat, lebt heute in Frauenstein im Erzgebirge. In seinen Bildern, in denen helle und dunkle Naturfarben überwiegen, werden reale Motive mit Pinsel und Farben poetisch überhöht. Sie heißen »Am Waldrand«, »Felder« oder »Der Vogel«. Doch es gibt keine Verdopplung der Natur. Viel mehr geht es Carsten Gille bei seinen Erkundungen immer um ästhetische Dimensionen. Diese sind lyrisch bis expressiv. Dabei spürt Gille den Metamorphosen in der Natur nach. Seine Malerei auf großen und kleinen Flächen ist von großzügigen Gesten geprägt. Lebendig, kontrastreich, die Sinne anrührend.

Barbara Fuchs
 
Günter Blendinger
Carsten Gille
Rolf Lindeman

12. September bis 11.Oktober 2008
Ausstellungseröffnung am 12.09.2008
Laudatio: Anke Zeisler
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