AMALIENPARK | RAUM FÜR KUNST
Gravitationsfeld Beethoven

Ausstellung vom 10. Januar bis 28. Februar 2020
in der Galerie Amalienpark Raum für Kunst, Berlin



Monika Wellershaus
Vom Klang zur Kunst

Unser Projekt versucht, den Code der universellen Anziehungskraft Beethovenscher Musik zu entschlüsseln und sie in ein schöpferisches Verhältnis zur Bildenden Kunst unserer Zeit zu setzen. Die Schwerkraft der Klangmaterie, ihr Melos, ihre Denkweiten, ihre Ästhetik, zielt nie auf Überwältigung, ist bei Beethoven immer eine offene Einladung zur Teilhabe, ein zutiefst demokratischer Vorgang. Die Musik Beethovens gab den beteiligten Künstler*innen Impuls und Inspiration für neue Werke, zu sehen in der Ausstellung unserer Galerie, dem Zentrum des Projektes. Aus tiefen Klangräumen entstehen individuelle Transformationen aus Linie, Farbe, Form.

Diesen genreübergreifenden, effektstarken Höhepunkt gestaltet unsere Galerie in der Reihe »Kunst und Klang« jedes zweite Jahr. Begonnen mit Schostakowitsch, fortgesetzt mit Schuberts »Winterreise«, befassen wir uns nun im Beethovenjahr mit Kunst und Leben des Genies. In der vierten Ausgabe 2022 wenden wir uns komponierenden Frauen zu, die es seit der Antike immer gab, »Gegen die Zeit«.

Untrennbarer Bestandteil der Projektreihe ist ein spartenoffenes, vielschichtiges Begleitprogramm mit Konzerten, Filmen, Lesungen, Vorträgen und Gesprächen. Gemeinsam gestalten wir mit Publizist*innen, Wissenschaftler*innen, Literat*innen, Musiker*innen ungewöhnliche Themen, um dem Kosmos Beethoven näher zu kommen, seiner Persönlichkeit wie sie war: kompromisslos autonom.

Seine radikale Individualität, seine Sehnsucht nach Wahrheit, Freiheit und Liebe führt beim Hören seiner Werke zu elementarer, erschütternder Musikerfahrung. Trotz Ertaubung im letzten Lebensjahrzehnt, schuf er so mächtige Werke wie die Neunte, öffnete mit seiner späten Kammermusik die Fenster zur Moderne. Sein OEvre gehört längst zum globalen Kulturgedächtnis. Beispiel Kongo: Das einzige Sinfonieorchester in Zentralafrika an der Akademie der Schönen Künste in Kinshasa, Demokratische Republik Kongo, das »Orchestre Symphonique Kimbanguiste« (OSK), befasst sich seit langem mit Beethoven, denn »…er hat ja nicht nur für euch Europäer geschrieben…«. Die Spur des Erfolges führt direkt in unser Projekt: Vertreter des OSK musizieren zusammen in Partnerschaft mit Sinfonikern vom WDR Köln und gestalten einen langen internationalen Konzertnachmittag in Pankows Mitte.

Heute gilt Beethoven als der meist gespielte Komponist weltweit, voran seine 9. Sinfonie mit Schillers »Ode an die Freude«, dem Schlusschor. Als Utopie gegen den dumpfen Zeitgeist der Restauration vertont, ist sie längst offizielle Europahymne, Symbol und Aufgabe für ein freiheitliches Miteinander.

Mit unserem Projekt bewegen wir uns mitten im Gravitationsfeld Beethoven und laden ein, es zu erkunden.